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Freitag, 15. Juni 2012

Tag 20 - Rio's Altstadt und Heimflug

Altstadt von Rio de Janeiro - Lapa & Santa Teresa
 

Handkarren in Rio


Nach einem etwas einfacheren Frühstück auf der Veranda machen wir uns zu Fuß auf hinunter in die Altstadt. Hier liegen Lapa und Santa Teresa, zwei immer noch sehr ursprüngliche Stadtteile von Rio. Die alte Straßenbahn, deren Gleise direkt am Haus vorbeiführen, fährt leider nach einem Unfall in 2011 nicht mehr, aber es ist nicht weit. Gerade zu Fuß ist der Weg sehr interessant: tolle Ausblicke auf die Stadt, die vielen alten Häuser, die teilweise schön hergerichtet sind oder dies gerade werden, Menschen an der Straße, ....

Rio - Antiquitätenhändler
   
Strassenkreuzung in Lapa
  
Gewürzhändler
 Die Frauen gehen shoppen, das bunte Angebot der kleinen Läden verführt doch ziemlich :-), der Autor dieses Blogs schaut sich lieber das Straßenleben OHNE Shoppen an: unendlich viele kleine Läden, sehr schmal und dafür sehr tief. Davor auch hier wieder jede Menge Straßenhändler, anders als in Paraguay aber längst nicht solaut und ohne Anmache. Ich beobachte, wie zwei Polizisten einige Händler vertreiben, blitzschnell sind die Tücher, in denen Uhren, Brillen und vieles sonst lagen zusammengefasst, der Tisch aus mehreren größeren Verpackungskartons zusammen geklappt und ab durch die Mitte. Es entsteht eine lautere Diskussion, die Händler dürfen ein paar Meter weiter wieder aufbauen. Alles geht superschnell und offensichtlich routiniert über die Bühne.
  
Putziges Tierchen im Stadtpark
Ich gehe in den Stadtpark direkt neben der 12-spurigen repräsentativen Avenida, die der damalige Präsident Vargas in den 1940er-Jahren bauen liess. Der Park ist eine Insel im sehr lauten und filterlos Diesel-stinkenden Verkehr der Stadt: schöne alte Bäume, die ich nicht kenne, lustige hasenähnliche Tierchen, die durch den Park springen, viele Menschen, die in der Mittagszeit etwas Ruhe und Schatten suchen.

Nach einem letzten Besuch in einem der praktischen Kilo-Restaurants mit ihrer oft riesigen Auswahl zum einfach mal so probieren machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Der Verkehr ist für Rio am Nachmittag sehr in Ordnung, wir verpassen trotz Navi - warum kommen die Ansagen nur so spät !!- die entscheidende Ausfahrt zum Flughafen, prompt stehen wir im Stau...
Am Militärflughafen stehen die Autos, die Straße ist gesperrt, plötzlich steigen zwei Apache-Hubschrauber auf, fliegen ein paar Runden. Wir vermuten, dass irgendein VIP-Gast zur RIO+20 Konferenz angereist ist. Nach 30 Minuten läuft der Verkehr dann auf einmal wieder normal.

Auf dem Flughafen angekommen, klappt die Rückgabe des Mietwagens diesmal problemlos, der CheckIn trotz viel Handgepäcks ebenso, bei Security und Ausreise sieht's aber weniger gut aus: laaange Schlangen in einer großen Halle, es geht nur sehr zäh voran - und unser Flieger soll in einer guten halben Stunde starten !! Wir reden mit einem Offiziellen - keine Chance auf "Sonderbehandlung", alles geht seinen Gang. Ein offenbar erfahrener brasilianischer Reisender zwei Viehgatter-Gänge vor uns, winkt uns und meint, wir sollen einfach vor. Wir kürzen einige Reihen ab, stehen dann auch noch an den Schaltern für Brasilianer, können uns aber trotz nochmaliger "Intervention" des selben eifrigen Beamten in die andere Schlange für alle Ausländer retten. Die Reisenden in der Schlange sind sehr verständnisvoll, wir dürfen vor.

Am Ausreiseschalter sitzt ein Mitvierziger mit Zahnspange und lächelt uns freundlich an. Mit aller Ruhe der Welt sortiert er unsere vier Pässe, schaut die Einreiseformulare durch und nimmt sie wieder an sich. Der erste Pass wird intensiver gesichtet, dann seeehr langsam in den Scanner gelegt, auf die richtige Seite mit den Einreisestempel geblättert, dieser auch nochmals inspiziert, dann gibt's den Ausreisestempel, der Pass wird exakt zusammengefaltet und uns in aller Gemütlichkeit ausgehändigt. Das wiederholt sich dann bei jedem Pass. Wir sitzen (oder stehen) wie auf Kohlen. Aber- puuuh, geschafft !! Bis wir dann im Flieger sind, vergeht dann auch nochmals einige Zeit - offenbar gab's mit dem Catering Probleme, wie später der Kapitän durchsagt.

Wir sind froh endlich im Flieger - diesmal eine Boeing 777 - zu sitzen, machen uns es bequem, soweit das beim recht engen Sitzabstand der AirFrance möglich ist. Der Rückflug bringt einige Turbulenzen mit sich, ziemlich exakt da an der Küste, wo sich vor fast genau drei Jahren der Absturz des Flug AF447 ereignete. Der AF447 wurde kurz darauf auf AF445 umbenannt - und das ist unser Flug heute - komische Gefühle, auch wenn der Kopf sagt, dass schon aus statistischen Gründen kein AirFrance Flug von Rio nach Paris mehr abstürzen wird.....


Wir kommen trotz guten Abendessens incl. Champagner, einiger Filme vom Bordsystem und dann am Morgen eines netten Frühstücks etwas unausgeschlafen in Paris an. Der Pariser Flughafen Charles de Gaulles ist riesig, genau auf den Punkt schaffen wir es zum Boarding in einer dreiviertel Stunde (!) vom Ankunftsterminal zum Abflug Richtung Stuttgart.

Bei schöner Sicht drehen wir eine Schleife direkt über unsere Heimat Tübingen-Reutlingen und werden am Flughafen von unseren Familien freudig begrüßt. Nach mehreren kalten und regnerischen Tagen zeigt das Thermometer heute auch in Deutschland nun auf einmal wieder 30° - ein toller Empfang.

Am Abend freuen wir uns bei einem Spaziergang im Sonnenuntergang an den schönen satten Farben der Gärten und des Waldes und an der Stille des Albvorlandes - was für ein Gegensatz zu Rio und dem Dröhnen des Flugzeugs.

Wir halten durch bis in den späteren Abend um den Jetlag auszugleichen und lassen die Reise am folgenden Sonntag ausklingen..


Drei Wochen mit sehr schönen Erfahrungen in einem tollen Land, mit vielen Begegnungen sind vorbei. Aber die Eindrücke werden sicher noch lange nachklingen - schliesslich sind ja auch noch einige tausend Fotos und Video-Clips zu sichten und in Form zu bringen :-)

DANKE!!

P.S.: Wir hoffen, der Blog hat Euch Spaß gemacht und ein bisschen was von Brasilien näher gebracht.

Über Kommentare freuen wir uns natürlich - inzwischen habe ich auch den Schalter gefunden, so dass nun Kommentare auch ohne lästige Anmeldung möglich sind :-)


Dienstag, 29. Mai 2012

Tag 3 - Rio

Rio de Janeiro


Heute lassen wir es etwas langsamer angehen, bis diverse Probleme mit dem Internetzugang des Hotels, verschiedenen Mobilfunk-Zugangsoptionen, Abrufen von E-Mails und nicht zuletzt dem Facebook-Zugang unseres Junior-Teammitglieds gelöst sind, ist es nach 10:00h.

Erstes Ziel heute morgen: der Botanische Garten von Rio, eine grüne Insel mit exotischen Pflanzen aus ganz Brasilien und darüber hinaus.


Der Verkehr ist heftig, obwohl es nur wenige Kilometer sind brauchen wir fast eine Stunde: Einbahnstraßen wechseln hier in Rio tageszeit-abhängig die Richtung, das Navi sagt mal rechts und dann gleich darauf plötzlich links abbiegen, wir vergleichen Google Maps und Nokia Maps, dazu der wirklich coole Fahrstil der Cariocas (das sind die Bewohner von Rio), absoluter Renner sind die tausende Taxis, die alle (?) souverän durch die Straßen surfen. Aus drei werden mal vier und kurz darauf dann zwei Spuren, v.a. bei abknickenden Straßen schneidet häufig einer unsere Spur. Taxis & die Hunderte Busse halten auf der rechten Spur -oder auch mal der zweiten- an wo sie oder die Fahrgäste wollen. Und dazwischen dann noch zig Motorräder, die rechts, links und vor uns vorbeidrängen.

Aber: auch wenn es meine MitfahrerInnen nicht glauben können : ES MACHT SPASS, IN RIO AUTO ZU FAHREN !!

Wir kommen gut an, der Garten war die Action wert, wir schauen uns zwei Stunden um, sehen Pflanzen in sehr groß, die bei uns in Europa gerade mal als Topfpflanze wachsen.


Anschliessend wollen wir ins "alte" Zentrum von Rio: Santa Teresa & Lapa. Durch einige der zahllosen Tunnel in Rio landen wir zunächst ungeplant am Sambodrom, dem Ort wo einmal im Jahr der Karneval und die Sambaschulen zu Höchstform auflaufen. Wir machen ein paar Fotos von dem jetzt ziemlich unansehlichen Betonbau und fahren dann ans andere Ende - eine nicht sehr vertrauenserweckende Gegend, die Mädels geraten (fast) in Panik. Aber - tuto bem (alles o.k.) !

Die Straßen in Lapa und Santa Teresa sind teils abenteuerlich, ausgerissenes Kopfsteinpflaster mit alten Straßenbahngleisen, teilweise geht's steil hinauf. Wir werden immer wieder von einem Bus überholt, der mit atemberaubender Geschwindigkeit über das holprige Pflaster brettert.
Hier liegt auch unsere Unterkunft für die letzte Nacht in Rio, wir werden erst später am Abend dort ankommen und sind froh, so die Strecke einigermassen zu kennen.

Die Mehrheit will nicht durch die Altstadt laufen und setzt sich durch - schade eigentlich :-(
Aber wir halten an der Kathedrale, einem ziemlich großen Beton-Kunst(?)-werk an und besichtigen die Kirche.

Dann entscheiden wir uns noch, auf die andere Seite der Bucht zu fahren, über die 13km lange Rio-Niteroi-Brücke. Und dort stecken wir im Stau, es hat gekracht, wie wir später sehen, hat's einen Motorradfahrer erwischt, dazu drei Autos. Stop & Go bis zur Unfallstelle hoch über der Bucht, dabei macht dann auch unser Mietwagen nähere Bekanntschaft mit dem Trittbrett eines vorausfahrenden und abruptabbremsenden Sprinters. Wir steigen aus, mitten auf der vierspurigen Piste, der Vorausfahrer schaut sich seinen Schaden an, kleiner Kratzer, kein Problem. Auch bei uns nun halt zwei, drei Kratzer mehr. Aber - Tudo bem !

Wir besuchen in Niteroi das berühmte Gebäude des Kunstmuseums - sieht auch heute noch echt gut aus.


Nach einer deutlich schnelleren Rückfahrt treffen wir am Abend einen brasilianischen Freund und gehen mit ihm zusammen in ein sympathisches Restaurant am Fuß des Zuckerhuts - mit brasilianischer Live-Musik und Meeresbrandung und leckerem Essen.

Dann geht's nur noch heim - morgen wollen wir früh los Richtung Westen - zur Ilha Grande.....

Montag, 28. Mai 2012

Tag 2 - Rio

Rio de Janeiro

Heute steht Rio pur auf dem Programm. Wir sind früh wach, die innere Uhr ist uns fünf Stunden voraus.

Wir ziehen kurz nach 8:00h los, trotz Navi und Karten ist die Autofahrt zum Zuckerhut nicht ganz einfach, die freundliche Nokia-/Navigon-Stimme weist uns einige Male sonderbare Wege, wir trauen ihr nicht und müssen prompt mit mehreren U-Turns bezahlen.... Der Verkehr ist sehr dicht, ein "geordnetes Chaos", das Autofahren funktioniert aber gut mit aufmerksamen Beifahrern und dem schon öfters bewährten "Mitschwimmen im Fischschwarm" und macht langsam richtig Spaß.

Das eine Wahrzeichen Rios, der Zuckerhut, liegt im Nebel, nur hin und wieder bekommen wir von unten ein Stück des Berggipfels zu sehen.
Wir entschliessen uns, nicht einfach so mit der Seilbahn hochzufahren sondern nehmen einen richtig schönen, aber auch sehr steilen Wanderweg zur ersten Station. Durch saftiggrünen Urwald, mit niedlichen Kapuzineräffchen, Lianen die von den Bäumen hängen unds tollen Aussichten erklimmen wir bei gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit (lt. Internet sind's 75%) die Strecke.

Schon vom ersten Felsen, der Zwischenstation der Seilbahn, erleben wir nun einen tollen Ausblick, der Nebel reißt auf und gibt den Blick nach oben und unten langsam frei.


Nach etwas Rast und Chillen auf den zahlreichen Holzbänken und -liegen geht's dann weiter mit der Seilbahn hinauf zum Hauptfelsen. 

Nun ist die Aussicht richtig gut, viele Plattformen in alle Richtungen zeigen fast ganz Rio.
Wir sind zwar nicht alleine auf dem Gipfel, haben aber viel Platz.

Die Fahrt runter mit der Seilbahn ist schnell vorbei, sie dauert gerade mal 2x 3 Minuten.




Wir besuchen eine Shopping Mall, essen etwas zu Mittag und fahren dann weiter zum anderen Wahrzeichen, dem Cristo Redentor hoch über Rio.

Unterwegs gibt's schon tolle Aussichtspunkte nach oben zur Statue und hinunter auf die Stadt, die letzten zwei-drei Kilometer fahren ausschliesslich Shuttle-Busse hoch, oben hat's keinen Platz für parkende Autos mehr.
Auch hier viele Leute, aber trotzdem finden wir immer wieder noch ein Plätzchen für uns Fünf ohne Gedränge. Tolle Aussichten runter auf Rio !!

Es wird langsam Abend, die Schatten werden länger, wir fahren eine große Schleife durch den Tijuca-Nationalpark, der direkt an Rio angrenzt nach Leblon & Ipanema, weitere Stadtteile von Rio weiter im Westen.

Wir essen in unserem ersten "Kilo-Restaurant", hier wird das ausgiebige Buffet einfach nach Gewicht abgerechnet, praktische Sache und sehr abwechslungsreich. Anschliessend geht's zum "Verdauungs-Bummel" zum Strand.

Und dann geht unser erster Tag in Rio so langsam zur Neige - nur Bloggen ist heute noch angesagt.